OBERFLÄCHEN & KANTEN

Bearbeitung von Naturstein

Die Oberflächen und Kanten von Natursteinprodukten können unterschiedlich bearbeitet sein. Unterschiede entstehen dabei vor allem in der Optik, zum Teil aber auch in einigen Eigenschaften oder in der Eignung für bestimmte Zwecke.


Oberflächen

Stahlsandgesägt und abgesäuert (auch gattergesägt genannt)

Bis vor gut 20 Jahren waren praktisch alle Beläge im Aussenbereich, welche nicht gespalten waren, stahlsandgesägt und abgesäuert. Diese Oberfläche erkennt man in den leichten linienförmigen Rillen in der Oberfläche welche durch das Gattern des Natursteins entstehen. Heute ist diese Technik überholt. Die Natursteine werden heute mittels Diamantseilen gesägt und daher wird die stahlsandgesägte Oberfläche praktisch nicht mehr angeboten. Bei Ergänzungen von alten Belägen kommt man dieser Oberfläche am nächsten mit einer sandgestrahlten Oberfläche.

Diamantgesägt (auch irrtümlicherweise K60 geschliffen genannt)

Diese Oberflächenbearbeitung entsteht durch das Schneiden des Natursteins mittels Diamantseilen oder Diamantscheiben. Irrtümlicherweise wird diese Oberfläche oft als K60 geschliffen angepriesen, was technisch falsch ist. Um eine Diamantgesägte Oberfläche K60 geschliffen zu nennen, bedarf es einen zusätzlichen Arbeitsschritt, nämlich das Schleifen mittels Schleifblättern. Bei der Diamantgesägten Oberfläche sind zwangsläufig linien- oder kreisförmige Sägespuren sichtbar. 

Geschliffen (K60 / 120 / 220 / 320 / 420 usw.)

Gesägte Natursteine werden durch das nachträgliche Schleifen für den Einsatz in Wohnungen, öffentlichen Gebäuden usw. nutzbar gemacht. Das "K" in der Bezeichnung steht für Korn und bezeichnet die Feinheit der Schleifblätter (je höher, umso feiner die Oberflächenbearbeitung). 

K60 geschliffen: der Naturstein ist sehr matt und die Farbe ist ganz leicht sichtbar. Die Rutschfestigkeit ist somit deutlich höher als bei einer feingeschliffenen Oberfläche, für den Aussenbereich als Bodenbelag jedoch nach wie vor ungenügend. 

K120 geschliffen: Der Naturstein ist nach wie vor matt, die Farbe ist jedoch deutlich besser sichtbar. In gedeckten öffentlichen Gebäuden wird oft diese Oberfläche gewählt, da mit dieser auf der Rutschsicherheitsskala ein R10 erreicht wird, was als sichereingestuft wird. 

K220 geschliffen: Der Naturstein ist matt, scheint gegen das Licht betrachtet leicht glänzend. Die Farbe des Natursteins ist gut sichtbar. Diese Oberfläche ist die meistverwendete geschliffene Oberfläche bei den Natursteinen und lässt sich praktisch in sämtlichen Räumen im Innenbereich anwenden. 

K320 / 420 usw.: je höher der Schleifgrad um so intensiver sind die Farben des Natursteins sichtbar, der Naturstein fängt an zu glänzen und verliert somit an Rutschfestigkeit.

Poliert (Hochglanzpoliert)

Eine polierte Oberfläche wird erzeugt durch das Schleifen mittels ganz feinen Schleifblättern, in der Regel ohne Beigabe von Zusatzstoffen. Bei der polierten Oberfläche kommt die ganze Schönheit des Natursteins zum Vorschein auf Kosten der Rutschsicherheit. Polierte Natursteinplatten sind immer glänzend, dies jedoch je nach Natursteinsorte immer unterschiedlich intensiv. Bei polierten Weichgesteinen, welche in der Regel nicht säurenbeständig sind, ist höchste Vorsicht geboten, da bei Kontakt mit Säure der Naturstein angegriffen wird und dadurch matt wird und die Farbe verliert. 

Geflammt

Geflammte Oberflächen sind praktisch bei jedem Hartgestein möglich, z.B. bei Granit. Die geflammte Oberfläche entsteht, wenn der glatte Naturstein mit einem Acetylen-Sauerstoff-Brenner aufgeraut wird. Hierdurch entsteht eine gleichmäßig raue Oberflächenstruktur, was z.B. bei Bodenplatten für Rutschfestigkeit sorgt. 

Gestockt

Gestockte Oberflächen sind unterschiedlich rau und matt. Traditionell werden Hartgesteine wie Granit mit Hilfe von Stockhammern bearbeitet, welcher einem Fleischklopfer mit pyramidenförmigen Zähnen ähnelt. Durch die unterschiedlichen Größen der Zähne wird die Rauheit ungleichmäßig. Oft werden alte Beläge durch nachträgliches Stocken rutschfester gemacht. 

Sandgestrahlt (oder kugelgestrahlt)

Um eine gestrahlte Oberfläche auf dem Naturstein zu erhalten, werden Sandstrahlgeräte verwendet, die mit unterschiedlichen Strahlmitteln ausgestattet werden (Sand oder Stahlkugeln). Diese verfügen wiederum über verschiedene Körnungen mittels welchen die Rauheit des Belags bestimmt werden kann. Je gröber die Körnung, umso rauer der Belag. Früher verwendete man Quarzsand, aufgrund der Arbeitssicherheit werden heute quarzfreie Materialien wie Korund zum Einsatz gebracht.

Gebürstet

Sämtliche Oberflächenbearbeitungen können zusätzlich gebürstet werden, wodurch die starke Rauheit leicht geglättet wird oder bei z. B. einem geschliffenen Gestein die Farbe besser sichtbar wird. Man verwendet Bürsten, die über Kunststoff- oder Metallborsten mit Schleifkörnern verfügen. Gebürstete Oberflächen sind, dank ihrer geringeren Rauheit, leichter zu reinigen. Durch das Abbürsten der Oberflächen werden die Poren des Natursteins "kleiner" was bei Belägen im Aussenbereich zu Verfärbungen führen kann. (Die Feuchtigkeit vom Untergrund kann nicht gut entweichen und lagert sich in den obersten Millimetern der Oberfläche ab)

oft werden gebürstete Oberflächen, je nach dem welche Vorbearbeitung sie haben als "satiniert", "velvet", "geledert" usw. genannt. 

Spaltrau (gespalten)

Eine Spaltraue Oberfläche wird erzielt indem der Stein im Verlauf der Natürlichen Lager gespalten wird. Daher auch oft der Begriff Oberfläche gespalten. Als Handelsbezeichnung wird fälschlicherweise oft bruchroh verwendet.

Bruchroh (gebrochen)

Bei Natursteinen ohne klare Lager im Gefüge ist die gebrochene Fläche immer als bruchroh oder als gebrochen zu Bezeichnen

Beispiel:

Valle Maggia Abdeckplatten, Oberfläche gespalten Kanten gebrochen. Hiermit wird ausgedruckt, dass die Seite welche von oben sichtbar ist, längs der natürlichen Lager des Natursteins gespalten wurde und somit als gespalten bezeichnet wird. Die Kanten welchen gegen das Lager gebrochen werden, werden mit gebrochen oder bruchroh bezeichnet.  (sehr viel Aufwändiger als spalten und oft nur dank hydraulischen Maschinen welche enormen Druck erzeugen möglich) 

Getrommelt

Die getrommelte Oberfläche (genauer bezeichnet Bearbeitung) wird erzeugt wenn die Natursteinplatten in einem grossen Trommelmischer mit Quarzsand und Wasser vermischt werden und anschliessend ordentlich durchgetrommelt werden. Dadurch entsteht eine sich sehr weich anfühlende Oberfläche mit leicht abgeschlagenen Kanten, welche leicht gerundet sind. Die Natursteinplatten sehen dadurch so aus, als wären sie sehr alt (antik) und daher oft der Begriff "antiquiert" 

 

Die Natursteintechnologie hat in den letzten Jahren sehr grosse Fortschritte gemacht wodurch sehr viele neue Oberflächenbearbeitungen dazugekommen sind. Wir werden Ihnen zeitnah hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Oberflächen mit dazugehörenden Bildern präsentieren. Wenn Sie mehr Informationen brauchen, kontaktieren Sie uns!

 


Kanten

Gesägte Kanten

Durch das Sägen (Fräsen) der Natursteinplatten sind praktisch alle Kanten der Natursteinplatten nach dem Zuschnitt gesägt oder oft als gefräst bezeichnet. Gefräst wäre technisch die richtige Bezeichnung, aber weil der Begriff sehr nah an gefast ist (was das abfasen der Kanten bezeichnet), wird hier meistens gesägt verwendet. 

Gefaste Kanten

Die Natursteinplatten werden je nach Kundenwunsch, oder je nach Anforderung meistes weiter verarbeitet. Bei Bodenbelägen im Aussenbereich in der Regel nur oben gefast, bei einer Tischplatte in der Regel oben und unten und die sichtbare Kante wird in der Regel auch geschliffen oder poliert abhängig wie die Oberflächenbearbeitung ist. 

Gebrochene Kanten

Ab und zu hört man den Begriff Kanten gebrochen bei gefasten Platten, was natürlich zu sehr grossen Verwirrungen führen kann. Gebrochene Kanten werden in der Regel bei Materialien angeboten welche eine gespaltene Oberfläche haben und der Begriff gebrochen bezeichnet das tatsächliche Brechen einer Kante. 

Bossierte Kanten

Weichgesteine werden oft mit einer bossierten Kante angeboten. Es handelt sich dabei um eine manuell erstellte Kante welche einer gebrochenen Fläche ähnelt. Typisch für eine bossierte Kante ist, dass die Platte eine gerade Linie hat, zur Mitte hin aber eine Wölbung nach aussen hat (Bauch). 

Profilierte Kanten

Wenn eine Kantenbearbeitung des Natursteins spezieller weiter verarbeitet wird, spricht man von Profilieren. Heut zu Tage sind einem Kantenprofil praktisch keine Grenzen gesetzt, da die Technologie sehr weit fortgeschritten ist.