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Wie bezeichnen Sie die merstein ag?

wir beraten und begleiten Sie von der Idee, über die Planung und Ausschreibung bis zur Fertigstellung und Pflege Ihrer Natur- und Kunststeine.


Was unterscheidet die merstein ag von anderen Unternehmen?

Die Materie Naturstein ist ein sehr komplexes Thema und der Anbietermix in der Schweiz dementsprechend auch sehr breit. Zu pauschalisieren was uns von den anderen unterscheidet, ist daher unmöglich.

Wir bilden uns ständig weiter, sind Mitglied des Natursteinverbandes Schweiz und besuchen jährlich die wichtigsten Natursteinmessen auf der ganzen Welt und sind daher was das Angebot und die Produktionsmöglichkeiten betrifft immer auf dem neusten Stand.

Es gibt auf der ganzen Welt ein enormes Angebot an verschiedenen Natursteinen. Momentan werden in Europa leicht über 1000 verschiedene Natursteinsorten angeboten und als ob das nicht genug wäre, arbeiten

sehr viele Firmen mit Codenamen um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Somit haben wir teilweise für einen einzigen Stein über zehn verschiedene Bezeichnungen, die eigentlich alle den gleichen Stein bezeichnen.

Und als ob das alles nicht genug wäre, kommen jetzt noch weitere Firmen dazu die einen Schritt weiter gehen und den Natursteinen Artikelnummern verleihen. Wir unterscheiden uns in dieser Hinsicht durch Transparenz und versuchen unseren Vorteil, welche wir durch den Direkteinkauf auf der ganzen Welt haben, auszuspielen.

Es gibt Firmen, die besitzen Exklusivverträge mit einzelnen Steinbrüchen, diese müsste man aus dieser Diskussion ausklammern.


Warum ist das Problematisch?

Aus einem ganz einfachen Grund: Wenn ein Kunde zum Beispiel einen Botticino Classico will und dieser in der Regel für den Endkunden beispielsweise 80.- CHF p. m2 kostet, wir reden hier natürlich von Materiallieferkosten ohne Verlegung,

und dieser Belag dann mit einer Artikelnummer ausgeschrieben und der Lieferant vorgegeben wird, haben wir die Situation, dass der Wettbewerb nicht mehr gegeben ist. Denn je nach Jahresbestellmengen bei

einem Anbieter kann es sein, dass eine Firma X gegenüber einer Firma Y bei einem Händler Z den besseren Rabatt hat. Hätte die Firma Y die Steinbezeichnung, könnte diese den Preis bei einem anderen Händler

vergleichen und schon wäre der Wettbewerb wiedergegeben. Es geht hier nicht darum zu suggerieren, dass man immer den günstigsten Lieferanten suchen soll, denn dies ist im Natursteingeschäft im Endeffekt für den Kunden teilweise mit grösseren Nachteilen verbunden, da zwischen verschiedenen Produktionswerken teilweise erhebliche Qualitätsunterschiede vorhanden sind, aber man soll dem Kunden die Möglichkeit geben, selber zu beurteilen, was ihm die gute oder die schlechte Beratung Wert ist und ob er dieser Firma diese Beratung in Form einer Auftragserteilung vergüten will.


Was kann man dagegen machen?

Es gibt diverse Möglichkeiten, wie man diese Entwicklung korrigieren kann.

1. Man bittet die beratende Firma um die richtige Bezeichnung des Natursteins

2. Man verlangt ein Muster und holt sich eine zweite Meinung

3. Es gibt oft Natursteine, die sich in Ihrer Art sehr ähneln und dann besteht auch die Möglichkeit einen anderen ähnlichen Naturstein zu wählen.


Einen ähnlichen Naturstein? Wie können wir uns das vorstellen?


Ich mache Ihnen aus aktuellem Anlass ein Beispiel

Wir hatten wurden letzte Woche von einem Kunden kontaktiert, welcher entsetzt war, was sein gewünschter Naturstein kostet.

Es handelte sich dabei um einen Brown Silk aus Brasilien. Dieser sollte den Kunden im 190.- CHF p. m2 kosten (nur Lieferung ohne Verlegung)

Der Brown Silk ist ein braun- grauer Naturstein (Gneis) aus Brasilien der leichte wellige weisse oder schwarze Streifen hat. Betrachtet man den Charakter und die Eigenschaften des Natursteins genau, kommt man zum Schluss, dass der Valser Quarzit, wohl gemerkt ein Naturstein aus der Schweiz,

genauer aus Vals (alle kennen die Therme in Vals oder das Valser Wasser, aber wenige den Naturstein) die optischen wie technischen Anforderungen erfüllt, eine positivere Ecobilanz aufweist und im Endeffekt etwa 40.- CHF weniger pro m2 kostet.

Unser Kunde war von unserem Vorschlag begeistert, fühlte sich sehr stolz, dass in seinem Heim ein Naturstein aus der Schweiz verlegt wird und hat im Endeffekt sogar Geld gespart.


Man liest teilweise in den Zeitungen, dass für gewisse Bauvorhaben chinesische Natursteine verbaut wurden. Warum werden diese Natursteine verbaut? Haben wir in der Schweiz zu wenig Natursteine?

(lächelt) Das ist die Frage der Fragen in unserer Branche. Ich gehe als erstes auf Ihre zweite Frage ein. In der Schweiz haben wir mehr als genug Natursteine, die ganzen Alpen bestehen aus Gestein, auch im Mittelland wie im Jura gibt es Natursteinabbaustätten, aus welchen wunderschöne Natursteine gewonnen werden. Ob es die Natursteine aus dem Graubünden sind, wie Valser Quarzit, Andeer, San Beranrdino, Calanca, Verde Spluga, Hinterrhein Quarzit, Soglio (wobei die letzten drei an der Italienischen Grenze sind), oder die im Tessin, wie Cresciano, Iragna, Lodrino, Valle Maggia, Onsernone, der Cristallina Marmor, wir hätten in der Schweiz eigentlich genug Naturstein um die Hälfte der Wünsche und des Bedarfs zu decken. Wir haben in der Schweiz auch sehr viele Sandsteine, gestreckt vom Boden- bis zum Genfersee (Rorschacher, die zürcher Sandsteine, der Luzerner Sandstein, der Berner Sandstein usw.)

Im Juragebiet haben wir den Liesberger, den Laufener Kalkstein, den Mägewiler Muschelkalk und viele weitere Natursteine. Teilweise liegt es an Unwissen, dass man ausländische Natursteine wählt, aber oft ist es der Preis.


und schon komme ich zu Ihrer ersten Frage, jeder von uns hat in seinem Job eine Verantwortung. In der Regel ist in jedem Unternehmen, den Staat eingeschlossen, die wichtigste Parole Geld sparen. Wir verdienen in der Schweiz gutes Geld, die Kehrseite der Medallie ist aber, dass auf grund dieser Tatsache die Produktionskosten für ein beliebiges Produkt dementsprechend hoch sind. Wenn zum Beispiel irgendwo eine Strasse gebaut wird, braucht es unter Umsänden paar 1000 Laufmeter zum Beispiel Randsteine. Führt man sich vor Augen, welchen Aufwand die Herstellung von einem Laufmeter Randstein mit sich bringt, kommt man zum Schluss, dass sogar die jetzigen Preise, welche von den Tessinerfirmen angeboten werden, gar nicht kostendeckend sein können. Der Naturstein muss als Erstes vom Berg abgebaut werden, zum Produktionswerk transportiert. Danach müssen aus dem Block sogenannte Tranchen (grosse Tafeln) geschnitten werden aus welchen im Endeffekt die Randsteine gesägt werden, welche aber noch in einem weiteren Arbeitsprozess sandgestrahlt oder gestockt werden. Die werden dann noch sauber auf Paletten verpackt und ein LKW muss sie auf die Baustelle führen und der Laufende Meter darf nicht über 70.- CHF kosten. Das gleiche Produkt aus China kostet mindestens 20.- CHF weniger pro Laufmeter und wenn es sich um 10'000 Laufmeter handelt, so ist der Preisunterschied schnell mal bei 200'000.- CHF. ich denke damit sollte Ihre Frage beantwortet sein.


Warum kosten die Natursteine aus China so viel günstiger wie die aus der Schweiz obwohl diese über so weite Strecken transportiert werden?

In erster Linie hat das damit zu tun, dass ein Container von China bis nach Antwerpen weniger kostet als ein LKW vom Tessin nach Luzern und die Produktionskosten in China sind etwa 20-mal tiefer als bei uns. Dazu kommt, dass die Werke in China vom Staat subventioniert und gefördert werden und die Werke in der Schweiz immer strengere Auflagen zu erfüllen haben.


Ich komme wieder auf die merstein ag zurück. Wie empfinden Sie den herrschenden Preiskampf?


Einen Preiskampf in dem Sinne gibt es eigentlich in der Schweiz noch nicht. Natürlich herrscht harter Wettbewerb und jede Firma kämpft um die Aufträge. Aber im Endeffekt werden in der Schweiz immer noch faire Preise bezahlt.

Für uns ist es wichtig schlank strukturiert zu bleiben, direkte Vertriebswege zu gewährleisten und effizient zu produzieren, damit wir wettbewerbsfähig bleiben.


Wie schätzen Sie die Marktlage für die nächsten fünf Jahre?

Es ist schwierig eine Schätzung abzugeben, da im Moment ein Umbruch in der Natursteinbranche stattfindet. Die letzten Jahre sind sehr viele neue Steinbrüche auf der ganzen Welt erschlossen und diese Natursteine sind auf dem Markt. Viele Firmen haben es verpasst sich in diesem Bereich auf den neusten Stand zu bringen.

Weiter kommen Konkurrenzprodukte wie Quarzkomposite, Kunststeine und Keramik auf den Markt, welche den Naturstein verdrängen. Neue Produktionstechnologien ermöglichen schnelle und Präzise Verarbeitung auf Kosten von Arbeitsplätzen.

Einige Firmen produzieren bereits im Ausland, andere sind gerade dabei diesen Schritt zu wagen. Dazu kommt, dass ein Generationswechsel stattfindet. Viele Natursteinwerke in der Schweiz haben Nachfolgeprobleme.

Die Zahlen der Natursteinwerker- Lehrlingen sind in den letzten zehn Jahren drastisch gesunken. Die Preise sind gesunken, die Lohnkosten gestiegen, durch die Unsicherheiten im EU Raum ist noch zusätzlich das Währungsrisiko dazugekommen.

Will damit sagen, dass im Moment sehr viele Faktoren in der Branche zusammenspielen, welche ganz schwierig abzuschätzen sind. Aber generell kann ich sagen, dass in der Schweiz immer noch hochwertig gebaut wird und da wird immer Platz für Naturstein sein.

Der Kuchen wird wahrscheinlich nicht mehr grösser, aber ein kleines Stück Kuchen kann auch ganz schön lecker sein.



Interview mit Mersim Mustafi, Inhaber und Geschäftsführer der merstein ag, geboren 1982 in Utrecht NL, seit 2001 in der Natursteinbranche aktiv.